Bericht über die Vereinsgründung im TIP

Verein „Alter Bahnhof Trogen“ gegründet

Nach der gutbesuchten Veranstaltung vom 31. August im Kronensaal hat eine Gruppe von Trogenerinnen und Trogenern den Verein „Alter Bahnhof Trogen“ gegründet, der sich einsetzt für eine sorgfältige und sanfte Neugestaltung des alten Bahnhofes und seiner Umgebung. Im folgenden bringen wir gute Argumente vor, warum der alte Bahnhof erhalten werden soll und wir möchten Gemeinde und Appenzeller Bahnen zum Umdenken bewegen. Die im Zentrum stehende Frage ist doch, wohin soll Trogen sich entwickeln. Muss es immer noch mehr, noch grösser, noch neuer sein? Müssen wir denn immer weiter wachsen? Oder wäre nicht ein Einlenken, ein ‚den Bestand sichern‘ heutzutage sinnvoller?

Das neue Bahnhofprojekt wirkt überdimensioniert im Ensemble der bestehenden Häuser

Die Architektur des Projektes mag ansprechend sein, ist aber in keiner Weise ortsspezifisch – solche Häuser stehen mittlerweile überall. Zwischen Bahnhof und der gegenüberliegenden
Bebauung entsteht eine Strassenschlucht – und das ist kein schöner Willkommensgruss. Die umgebenden Häuser werden finanziell und optisch abgewertet:

  • Aussichten und Durchblicke gehen verloren.
  • Der Schattenwurf für die umliegenden Gebäude wird massiv verstärkt.
  • Die vierstöckige Fassade führt zu einer erhöhten Lärmbelastung, die Schallschutzmassnahmen nach sich ziehen.
  • Es wird zwischen den Häuserzeilen deutlich mehr Wind geben.
  • Die Stützmauer gegen den östlichen Hang wird doppelt so hoch.

Neu zu errichtende Gebäude sollten bedürfnisorientiert geplant werden – bis jetzt ist nicht klar, was in dem neuen Bahnhof wirklich entstehen soll. Trogen hat genügend Läden für den täglichen Bedarf (Maxi, Metzgerei Locher, Schäfliladen mit regionale Bioprodukten, Bio’ohne‘), es hat genügend Cafés (Ernst und Ruckstuhl) und Wirtschaften/Restaurants (Hirschen, Krone, Schäfli, Rebstock, Sonne). In Trogen herrscht eine rege Wohnbautätigkeit (u.a. Halden, Gfeld, Cornelia, Unterstadel). Zudem – Mieten in Neubauten sind teuer.

  • Die Bausubstanz des jetzigen Bahnhofes rechtfertigt keinen Abbruch…

Für das Bahnhofsgebäude wurde eine Hausanalyse durchgeführt. Demnach ist die Bausubstanz in keinem schlechten Zustand, verträgt aber durchaus eine Sanierung. Die langjährige Mieterin ‚Mobiliar‘ hatte zudem immer wieder beträchtlich investiert.

  • … vielmehr ist das Gebäude erhaltenswert

Das Bahnhofsgebäude ist im ISOS (Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz) aufgeführt und wurde 2001 von der eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege als schützenswert taxiert. Der Bahnhof Trogen ist heute noch das einzige Gebäude, das die Erinnerung an die Strecke der Trogener Bahn wach hält. Ebenso wie die Zellwegerpaläste ist das Bahnhofsgebäude eine Importarchitektur – es kündet von einer früheren Zeit und der weiten Welt.

  • Eine Neugestaltung des Bahnhofareals ist grundsätzlich sinnvoll

Dazu liegen aber auch seit Jahren bereits Entwürfe vor, die Potential haben. Ein besserer Zugang vom Dorf her, die An- und Abfahrt der Postautos, Verkehrssicherheit, Übersichtlichkeit, behindertengerechtes Ein- und Aussteigen, überdachte Einstiegsmöglichkeiten, P+R-Plätze – all dies sind Bedürfnisse, die sich mit kleineren und kostengünstigeren Eingriffen zufriedenstellend
lösen lassen.

  • Eine Gesamtvision statt EIN überdimensionierter Neubau.

Da in naher Zukunft auch die Post aufgelöst wird, ist eine Gesamtlösung anzustreben, die das ganze Areal entsprechend den Anforderungen im Dorf neugestaltet. So würden sich sicherlich geeignete Räumlichkeiten für den Dorfladen, aber auch P+R-Plätze etc. finden lassen.

Entwurf Piet Kempter
  • Finanzielles Engagement der Gemeinde

Unklar ist, in welcher Höhe sich die Gemeinde Trogen bei dem neuen Bahnhofsprojekt der Appenzeller Bahnen finanziell engagieren muss. Unklar ist, wer Investor werden wird und in welche Richtung dieser das Bauprojekt weiterentwickeln und steuern wird. Unklar ist, ob durch diesen Prozess ein bisher öffentliches Areal privatisiert werden wird. Die Rendite als Begründung
für die Dimensionierung des Projektes und als einzige Möglichkeit, die Sachzwänge und Ansprüche der modernen Mobilität lösen zu können, ist in heutiger Zeit ein bekanntes Argument – doch ist es die einzige und richtige Lösung für Trogen?

Liebe Trogenerinnen, liebe Trogener – ihr seht, wir haben viele offene Fragen. Wir wollen dazu beitragen, diese offenen Fragen zu lösen und Ideen zu entwickeln. Wer wie wir der Meinung ist,
dass Trogen eine sorgfältige Neugestaltung des Bahnareals unter Einbezug des alten Bahnhofes braucht, ist herzlich eingeladen, den Verein zu unterstützen.